Mozartdorf St. Gilgen
Die Gemeinde St. Gilgen am Wolfgangsee, seit dem 19. Jahrhundert ein
beliebter Fremdenverkehrsort, nennt sich heute stolz "Mozart-Dorf".
Aber nur wenige bringen diesen Ort mit Mozart in Verbindung, denn
keines der zahlreichen Werke Wolfgang Amadeus Mozarts ist in St. Gilgen entstanden, nie war er selbst dort.

Und doch: Die Geschichte des Urlaubsortes ist mit den Mozarts
untrennbar verbunden, denn St. Gilgen war Heimat dreier Menschen,
die sein Leben wesentlich geprägt und beeinflusst haben - hier
arbeitete sein Großvater, hier wurde seine Mutter geboren, hierhin
zog seine Schwester Nannerl nach ihrer Heirat.
In St. Gilgen, das 1376 bereits erstmals urkundlich erwähnt wird,
kam es in Folge von Streitigkeiten mit dem Kloster Mondsee zur
Errichtung eines Pfleggerichts. Im 18. Jahrhundert hatte sich St.
Gilgen zu einem "kleinen Pflegsamt" entwickelt. Die wichtige und
ehrenvolle Stelle eines Pflegers bekleidete in den Jahren 1716 bis
1724 Wolfgang Nikolaus Pertl, der Großvater Mozarts und von 1769 bis
1801 Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg, Mozarts Schwager.
Mozarts Großvater wurde am 6. Dezember 1667 in Salzburg geboren und
heiratete am 22. November 1712 in der Pfarrkirche von St. Gilgen. In
den Jahren 1688 bis 1698 begegnet uns sein Name in den
Besetzungslisten der Theateraufführungen als Sänger, Musiker und
Schauspieler. Vielleicht hat sein Enkel Wolfgang Amadeus Mozart und
auch seine Enkelin Nannerl vom ihm einen Teil seiner musikalischen
Begabung und Liebe zum Theater vererbt bekommen.
Denn schon im Alter von 5 Jahren wirkte Wolfgang auf derselben Bühne
wie einst sein Großvater als einer der "Salii" (Tänzer) und feierte
dort am 13. Mai 1767 mit seinem musikalischem Intermedium "Apollo
und Hyacinth" seine ersten Bühnenerfolge.
Im 1720 neu erbautem Pfleggerichtsgebäude war am ersten
Weihnachtstag, am 25. Dezember 1720, dem Ehepaar Pertl eine weitere
Tochter, Anna Maria Walpurga, die spätere Mutter Mozarts, geboren
und am selben Tag in der Kirche St. Aegidius getauft worden. Nach
dem plötzlichen Tod ihres Vaters zogen Mutter und Tochter nach
Salzburg. Am 21. November 1747 heiratete Anna Maria Walpurga Pertl
den aus Augsburg stammenden Buchbindersohn Leopold Mozart. Die
beiden am Leben gebliebenen Kinder Maria Anna Walburga, geb. am
30./31. Juli 1751 und Joannes Chrysostomus Wolfgangs Theophilus,
genannt Wolfgang, geboren am 27. Jänner 1756, entwickelten sich
unter der Obhut des Vaters zu musikalischen Wunderkindern.
Von einer der gemeinsamen Reisen von Mutter und Sohn hatte Wolfgang
"eine der Traurigsten und schmerzhaftesten nachrichten" mitzuteilen,
denn "den nämlichen Tag den 3:ten [Juli] ist meine Mutter um 10 Uhr
21 Minuten in Gott selig entschlafen …" (Mozart an seinen Vater.
Paris, 9. Juli 1778). Anna Maria Mozart fand in einem der drei
Friedhöfe der Kirche St. Eustache ihre letzte Ruhestätte, mit einer
Marmortafel wird der St. Gilgnerin gedacht.
Der Kreis der Mozartschen Beziehungen zu St. Gilgen schließt sich,
als die 33jährige Maria Anna Mozart, das Nannerl, am 23. August 1784
in der St. Gilgner Kirche einen Amtsnachfolger ihres Großvaters, den
vermögenden hochfürstlichen Rat und Gerichtspfleger, Johann Baptist
von Berchtold zu Sonnenburg heiratete und somit zur Hausherrin in
das Geburtshaus ihrer Mutter einzog.
Nannerls Leben war aus Rücksicht auf ihre Familie von ständigem
Verzicht geprägt und musste zu Gunsten des noch begabteren Bruders
auf eine eigene Karriere verzichten.
Nannerl war über ihren Stand hinaus gebildet, hatte in ihrer Jugend
viele Länder bereist und war Gast an den bedeutendsten Höfen
Europas.
Nach dem Tod von Johann Baptist von Berchtold zu Sonnenburg im Jahre
1801 zog Nannerl nach Salzburg, wo sie ihre letzten 28 Jahre
verbrachte.
Das ehemalige Pflegerhaus an der Ischlerstraße wurden Anfang 2006
von der Region erworben und heißt nun "Das Mozarthaus St. Gilgen".
Nach Abschluss der Restaurationsarbeiten wird das Haus wieder der
Allgemeinheit zum Besuche zur Verfügung stehen.
[Auszug aus '"Die Mozarts und St. Gilgen" von Frau Johanna Senigl,
Internationale Stiftung Mozarteum, Mozart Museum Salzburg]
Sie können dieses 40-seitige, reich bebilderte Heft gerne bei mir
beziehen, am besten gleich zusammen mit der Publikation zum
Mozartjahr 2006: Das Mini-Buch Mozart-Dorf St. Gilgen - es lohnt
sich!
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